Pressemitteilung
Veränderte Kindheit - veränderte Bildung?
Mit einer „etwas anderen“ Abschlussveranstaltung in Rottersdorf setzte die Kreistagsliste ÖDP/Aktive Bürger zur Kreistagswahl einen inhaltlichen Akzent: Im Mittelpunkt stand der Vortrag „Veränderte Kindheit – veränderte Bildung?“ von Prof. Dr. Helga Schneider. Die Professorin der Katholischen Stiftungshochschule München zeigte eindrücklich, wie Digitalisierung und gesellschaftliche Beschleunigung das Aufwachsen von Kindern prägen – mit Chancen, aber auch erheblichen Risiken. Dabei wurde deutlich, dass Mediennutzung, Bildungsgerechtigkeit und kommunalpolitische Verantwortung eng zusammenhängen.
Prof. Dr. Helga Schneider (M.) referierte zu Digitalisierung an Schulen und Kindertagesstätten
Zu einer „etwas anderen“ Abschlussveranstaltung zur Kreistagswahl hatte die Kreistagsliste ÖDP/Aktive Bürger zu Wochenbeginn ihre Kandidaten und Anhänger nach Rottersdorf geladen. „Kinder wachsen heute unter grundlegend veränderten Bedingungen auf“, so Prof. Dr. Helga Schneider zu Beginn ihres Vortrags „Veränderte Kindheit – veränderte Bildung?“.
Die Mammingerin lehrt an der Kath. Stiftungshochschule München Kindheitspädagogik. Im Zentrum stand die Frage, wie die gesellschaftliche Beschleunigung und die Digitalisierung das Aufwachsen von Kindern beeinflussen – und welche Konsequenzen sich daraus für Kita, Schule und Kommunalpolitik ergeben. Zu Letzterer stelle Kreisrat Karl Wolf bei der Begrüßung fest, dass die Digitalisierung enorme Mittel beanspruche. Hier müsse es erlaubt sein, jenseits eine gewissen „Digitalisierungshypes“ Prioritäten zu setzen und nach einem pädagogisch sinnvollen Einsatz zu fragen.
Ausgangspunkt für Dr. Schneider war die zunehmende Beschleunigung des Alltags, die längst auch die Lebenswelt von Kindern prägt. „Eng getaktete Tagesabläufe, frühe Leistungsorientierung und permanente digitale Verfügbarkeit führen dazu, dass Kinder schon früh hohen Anpassungsanforderungen ausgesetzt sind. Digitale Medien spielen dabei eine zentrale Rolle: Tablets und Smartphones sind aus dem Alltag vieler Familien nicht mehr wegzudenken und verändern Kommunikations-, Lern- und Freizeitgewohnheiten nachhaltig“, so die Pädagogikprofessorin. Aktuelle Studien würden zeigen, dass bereits Kleinkinder regelmäßig digitale Geräte nutzen. Ein erheblicher Teil der Zwei- bis Fünfjährigen greife wöchentlich auf Tablets zu, während fast jedes zweite Grundschulkind bereits ein eigenes Smartphone besitze oder das der Eltern nutze.
Auch Soziale Medien würden von vielen Kindern nahezu täglich verwendet, dies bei gleichzeitiger Verdrängung klassischer Freizeitbeschäftigungen wie das Lesen von Büchern. Der Vortrag machte deutlich, dass diese Entwicklung nicht alle Kinder gleichermaßen betrifft. „Soziale Unterschiede spielen eine entscheidende Rolle: Eltern mit höherem Bildungsabschluss begleiten und regulieren die Mediennutzung ihrer Kinder häufiger als Eltern, die selbst weniger Bildungschancen hatten. Unregulierter Medienkonsum kann bestehende soziale Ungleichheiten dadurch weiter verschärfen“, so ihre Feststellung.
Neben den möglichen Chancen digitaler Medien – etwa für Bildung, Information und Teilhabe – benannte sie auch deren Risiken. Dazu zählt für sie beispielsweise Bewegungsmangel, Konzentrationsprobleme, Einschränkungen in der sozialen Entwicklung sowie der Kontakt mit nicht altersgerechten oder beängstigenden Inhalten. Insbesondere bei langdauernder Nutzung könnten sich negative Effekte auf die schulischen Leistungen und die sozial-emotionale Entwicklung ergeben.
Angesichts der noch begrenzten Forschungslage plädierte Prof. Schneider für eine Steuerung der Mediennutzung auf der Basis des Vorsorgeprinzips. Kinder unter drei Jahren sollten keinerlei Kontakt zu digitalen Geräten haben. Für den Kindergarten empfiehlt sie allenfalls eine eng begrenzte und begleitete Verwendung digitaler Geräte, im Grundschulalter ebenso.
„Viel wichtiger sind in diesem Alter aufmerksame und gut ausgebildete Erziehungs- und Lehrpersonen, die den Kindern reale Welterfahrungen ermöglichen, vor allem Naturerlebnisse und Spielkontakte mit Gleichaltrigen“, so die Referentin. Solche „echten“ Erfahrungen können zu Bildungsmomenten werden, wenn sie gemeinsam mit den Kindern nacherzählt, vertieft und sachlich eingeordnet werden. Auch Kommunen als Sachaufwandsträger sieht die Referentin in der Verantwortung.
Digitalisierung allein verbessere weder Lernen noch Entwicklung, betonte sie. Entscheidend seien die pädagogische Einbettung, die Qualifizierung der Fach- und Lehrkräfte sowie der Schutz von Kindern und Jugendlichen. Das Ziel müsse darin bestehen, die Chancen digitaler Medien zu nutzen, ohne deren Risiken aus dem Blick zu verlieren, um allen Kindern eine gute Entwicklung zu ermöglichen.

