Auch kommunale Verantwortung für den Wald / Forstamtsleiter Peter Stieglbauer informierte – Handeln gefordert

Die Kreistagsfraktion ÖDP/Aktive Bürger hatte zu einem Ortstermin geladen. Thema die Auswirkungen der Klimaproblematik auf den Wald. Dies verbunden mit der Frage, was Kommunen vor Ort zur Lösung der Probleme beitragen können.

Karl Wolf, Sprecher seiner Fraktion hatte zu der Veranstaltung eingeladen. Er konnte dazu neben dem Forstamtsleiter Peter Stieglbauer auch die Kommunalpolitiker Franz Zirngibl, Lisa Wax, Stefan Nußbaumer und Thomas Muncz begrüßen. Gastgeber war Waldbauer und Kreisrat Alois Aigner. Die Schilderungen des Forstamtleiters und einiger anwesender Waldbauern ließen keinen Zweifel daran: Die Situation in unseren Wäldern ist dramatisch. Ursächlich dafür nach übereinstimmender Ansicht der nicht mehr zu übersehende Klimawandel. Der vom Betrieb Aigner den Waldbauern zur Verfügung gestellte Lagerplatz war dann auch geradezu symbolisch: Berge von Holz im Sommer. „Das hätte man sich vor einigen Jahren noch nicht vorstellen können“, so Aigner bei seiner Begrüßung. Die durch eine mehrjährige Trockenheit geschwächten Bäume hätten dem Käfer nichts mehr entgegensetzen, so vielfach die Wirkungskette. In manchen Gegenden sterben inzwischen auch Kiefer und Buche. Alles Baumarten, die man bisher waldbaulich als sehr robust beurteilt hatte. „Was sollen wir denn bei der Wiederaufforstung pflanzen“, so die dann fast verzweifelt klingende Frage einiger anwesender Waldbesitzer. Standardantworten konnte dazu dann Peter Stieglbauer, Bereichsleiter Forst und stv. Amtsleiter am Landauer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) naturgemäß auch nicht geben. Was an einem Standort passe könne am anderen problematisch sein. So manche waldbauliche Empfehlung müsse vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen und Erfahrungen wohl neu beurteilt werden. Die Forschungsinstitute würden daran arbeiten. Als Alternative südländische Arten zu pflanzen werfe aber wieder andere Fragen wie mögliche Frostschäden auf, so Stieglbauers Einschätzung. Wohl am wenigsten falsch machen könne man mit einer gesunden Mischung mehrerer Baumarten. Die einzelnen Bäume müssen wiederum stabil erzogen werden, damit nach dem Ausfall des einen oder anderen „Nachbarn“ ein Waldbestand erhalten bleibt. Damit gepflanzte Bäume auch ungestört wachsen können, müsse aber der Wildbestand in Ordnung sein. Was die Schadmengen durch den Borkenkäfer betreffe, habe man natürlich gewaltige Steigerungsraten, so Stieglbauer zu den aktuellen Landkreiszahlen. Während aus einer Gesamtwaldfläche von 18.600 Hektar im Jahr 2015 noch 35.000 m³ Käferholz entnommen werden mussten, waren es im Jahr 2018 bereits 130.000m³. Trotz dieser Mengen sei der Landkreis immer noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Woanders sei die Lage noch schlimmer. So hätte man in Tschechien bereits aufgegeben und auch in manchen Gegenden des Bayerischen Waldes sehe es düster aus. Mit ursächlich dafür der katastrophale Preisverfall. Seinen Bäumen Geld mitzugeben, sei auf Dauer keine Motivation zur Bewirtschaftung des Waldes, bestätigte dann auch ein anwesender Forstunternehmer. Angesichts dieser Situation sei auch die Kommunalpolitik gefragt. Dort wo beispielsweise der Landkreis als Bauherr auftrete könne er durch Verwendung des Baustoffs Holz einen Beitrag dazu leisten, so Kreisrat Alois Aigner. Dies nehme Material vom Markt und binde zudem langfristig CO2. Leider verspüre man hier noch keine rechte Begeisterung im Kreistag. Viel Luft nach oben sehe er auch bei der energetischen Verwertung, ergänzt Karl Wolf. Dass ausgerechnet der neue Anbau im „Grünen Zentrum“ Landau, in dem auch der Forstbereich untergebracht ist, aus Beton erstellt und mit Erdgas beheizt werde, spreche für sich. Man könne durchaus mit regionalen Wirtschaftskreisläufen den Markt entlasten. Was dabei die Holzvorräte betrifft, konnte Forstamtsleiter Stieglbauer beruhigen: Durchschnittlich 400 fm/Hektar ergeben im Landkreis einen Gesamtvorrat von 7,5 Mio Festmetern Holz. Mit 280.000 fm sei der jährliche Zuwachs immer noch wesentlich höher als die Käferholzentnahmen. Wichtig sei, dass wir nicht nur Symptome bekämpfen, so Karl Wolf. Natürlich müsse man auch mit waldbaulichen Maßnahmen reagieren. Genauso entscheidender sei aber auch, dass man langfristig der Klimakatstrophe etwas entgegensetze. Hier könnten Kommunen noch wesentlich mehr dazu beitragen, so das Fazit am Ende eines kurzen Waldrundganges.

Forstamtsleiter Peter Stieglbauer (M.) fand bei der Veranstaltung interessierte Zuhörer, darunter auch ÖDP-Kommunalpolitiker.

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