13.07.2017

„Wachsen oder weichen“ kein Zukunftsmodell - Kandidaten auf Betriebsbesichtigung: „Sehen uns als Anwalt bäuerlicher Betriebe“

Reisbach. Ein agrarpolitischer Gedankenaustausch war das Thema einer Betriebsbesichtigung auf dem Hof Aigner in Hötzendorf. Politik müsse es Landwirten mit besseren Rahmenbedingungen ermöglichen an den Agrarmärkten wieder auf Augenhöhe aufzutreten. Die Marktübermacht insbesondere des Lebensmitteleinzelhandels sei skandalös und nütze langfristig nicht mal den Verbrauchern, so das Resümee.

Eine reine Weltmarktorientierung überfordert die deutsche Agrarstruktur: Kreisrat Karl Wolf, die ÖDP-Bundestagskandidaten Klaus Seufzger und Edith Lirsch, Gastgeber Alois Aigner, Stefan Nußbaumer, Dr. Helmut Pix und Kreisvors. Klaus Eschlwech (v.l.)

Initiator der Betriebsbesichtigung war der örtliche Bundestagskandidat Klaus Seufzger, der als Gast für das Fachgespräch Edith Lirsch, die Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), eingeladen hatte. Die Rottaler Bäuerin ist „Chefin“ eines konventionell wirtschaftenden Betriebs in der Nähe von Pfarrkirchen. „Die AbL ist eine von Politik und Wirtschaftsverbänden unabhängige, bäuerliche Interessenvertretung. Sie tritt ein für eine nachhaltige, sozial- und umweltverträgliche Landwirtschaft“, so Lirsch bei ihrer Vorstellung. In der AbL hätten sich sowohl konventionell als auch ökologisch wirtschaftende Betriebe zusammengeschlossen, die unabhängig von ihrer derzeitigen Betriebsgröße, den weiteren Weg in eine industrielle Landwirtschaft nicht mitgehen wollen. Damit sei man letztlich auch eine Alternative zum Bauernverband, der in erster Linie agrarindustrielle Strukturen vertrete. Die ÖDP habe auf ihrem Landesparteitag agrarpolitische Leitsätze verabschiedet, Darin distanziere man sich vom bisherigen vor allem von CSU, FDP und SPD vertretenen agrarpolitischen Credo des „Wachsens oder Weichens“, so die AbL-Vertreterin und ÖDP-Bundestagskandidatin. Man brauche eine flächendeckende bäuerliche Landwirtschaft mit vielen Betrieben. Nur damit könnten die ländlichen Räume in ihren Strukturen auf Dauer lebendig gehalten werden. Dies erfordere ein Umdenken bei den Direktzahlungen: „Wenn der 1000-Hektar Großbetrieb in Thüringen genauso behandelt werde wie der Betrieb in Bayern, dann bilde die Agrarförderung die betriebswirtschaftlichen Nachteile der von der Natur vorgegeben kleineren bayerischen Strukturen nicht ab“, so die Bäuerin. Hier werde offensichtlich zum Nachteil bayerischer Betriebe nach der „Kategorie Gießkanne“ verfahren, ergänzt Klaus Seufzger. Ziel bei den neuen GAP-Verhandlungen müsse sein, Strukturnachteile auszugleichen. Tierhaltung müsse künftig wieder an die Fläche gebunden werden und die Futtergrundlage vorwiegend wieder der eigene Betrieb sein. Massive Futtermittelimporte aus Dritte-Welt-Ländern zu Lasten der dortigen Bevölkerung seien auf Dauer nicht zukunftsfähig. Was die Agrarmärkte betrifft, müsse die Politik Rahmenbedingungen schaffen, die den Landwirten wieder mehr Markteinfluss verschaffen. Die Marktübermacht insbesondere des Lebensmitteleinzelhandels sei skandalös. Fatal sei die Exportorientierung der Agrarpolitik. „Man ruiniert für wenige Prozente Exportanteil 100 % der Preise zu Lasten bäuerlicher Familienbetriebe in Bayern“. In einer weltmarktorientierten Landwirtschaft habe die deutsche Agrarstuktur keine Chance, so die Überzeugung der ÖDP Kandidaten. Wichtig sei künftig eine regionale Herkunft. Kursierende Siegel müssten dann aber auch gewährleisten, dass wirklich Bayern drin sei, wo Bayern drauf stehe. Familie Aigner hat es sich abschließend dann nicht nehmen lassen, die Gäste mit Produkten aus dem eigenen Hofladen zu bewirten.