ÖDP für Recht auf analoge Kindheit

Lernen von Kulturtechniken und Sozialverhalten statt Digitalisierungshype. "Wir kämpfen für das Recht unserer Kleinkinder auf analoge Bildung. „Dafür benötigen wir mehr Lehrer und nicht mehr Smartphones in der Schule", so jetzt die ÖDP in einem offenen Brief an Kultusminister Sibler.

Bestätigt sieht sich die ÖDP in ihrer Forderung durch die jüngste Meldung des bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (BLLV). Die Sprache von Schulanfängern werde immer eintöniger, so dessen Feststellung. Bestätigt werde dies auch durch das Gesundheitsministerium. Unter anderen als eine der wichtigsten Ursachen dafür wird von Experten die immer größer werdende Rolle der digitalen Medien genannt. Unterstützt durch einen Digitalpakt sollen Schulen jetzt auf eine Welt vorbereiten, die sich durch die Digitalisierung rasant verändert. Das sei prinzipiell ein gutes Ziel, so die ÖDP. „Aber dies doch bitte nicht schon in der Grundschule oder gar im Kindergarten“. Jetzt formuliert die ÖDP Ihre Bedenken in einem offenen Brief an Kultusminister Sibler. Wer weis, welche Berater für die Ausgestaltung dieses Pakts ausgewählt wurden, muss zu einem entlarvenden Ergebnis kommen: Ausschließlich Vertreter von Wirtschaft und technischer Forschung. Also ein Förderprogramm für IT-Konzerne. Nicht gefragt waren Kinderärzte, Lernpsychologen oder Neurowissenschaftler Gerade Letztere hätten darauf hinweisen können, dass es mit der medialen Reizüberflutung durchaus Probleme gäbe. „Wir sind keine Fortschrittsverweigerer und selbstverständlich gehört auch für uns der Umgang mit elektronischen Geräten zum Bildungsinhalt“, so die Klarstellung von ÖDP-Landtagskandidat Klaus Seufzger, im Übrigen selbst im Softwarebereich tätig. Aber in den unteren Schulklassen gehe es doch um das Erlernen von Lesen, Schreiben, Rechnen und soziale Kompetenzen. „Die lernt man nicht mit wischen am Tablet“, ergänzt Alois Aigner. Wenn unbestritten immer mehr Kinder handysüchtig würden, dann sei das doch eine ungesunde Entwicklung, die der Staat nicht auch noch befördern müsse, so Bezirkstagskandidatin Ruth Schmidbauer besorgt. „Diesen "elektronischen Overkill" vom Kindergarten bis zum Schulabschluss lehnen wir ab“, bringt es Stefan Nußbaumer auf den Punkt. „Vermittelt werden muss die Nutzung dieser Angebote als Mittel zum Zweck und nicht als Selbstzweck. Gerade für die kleinsten Schüler gibt es doch viele andere wichtige und spannende Dinge in der analogen, wirklichen Welt zu lernen“, erläutert Pressesprecher Karl Wolf das ÖDP-Anliegen weiter. Wer als erwachsener Mensch in der digitalen Welt aktiv mitgestalten und sich behaupten wolle, müsse in der Kindheit alle Möglichkeiten der Gehirnentwicklung erleben und ausleben können. Dafür seien nach Auffassung von Forschern die physische Bewegung im Raum notwendig, ebenso begeisternde Sinneswahrnehmungen, Handwerksarbeiten, eigene Ideen, Begegnungen mit anderen Menschen und deren Emotionen“, so einige Formulierungen im Brief an Minister Sibler. Leider sei auch von den anderen Landtagsparteien nichts gegen die überzogene digitale Aufrüstung des Schullebens zu vernehmen. „Wir sprechen uns als einzige Gruppierung klar für ein Recht auf eine analoge Kindheit aus“, so Alois Aigner. Im Übrigen sei der Digitalisierungshype auch ein Ablenkungsmanöver: Beispielsweise davon, dass der Freistaat vielfach jungen Lehrern bedingt durch befristete Anstellung im August kein Gehalt zahle, so die Kritik der ÖDP-Politiker. „Mehr Personal statt überzogenem digitalem Schnickschnack“, so deshalb die ÖDP-Forderung. 


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