30.06.2017

Dauerhafte Lösung nur mit Ursachenbekämpfung

ÖDP Veranstaltung mit Misereor-Referentin – „Den Mächtigen ins Gewissen reden“ Nach der Flüchtlingskrise der vergangenen Jahre bleibt es nicht aus, dass dies auch zum Thema im Bundestagswahlkampf wird. „Fluchtursachen erkennen und bekämpfen“ unter diesem Titel stand deshalb eine Veranstaltung des ÖDP-Kreisverbands.

Nur Ursachenbekämpfung bringe eine dauerhafte Lösung: Misereor-Referentin Eva-Maria Heerde (li.) vorgestellt von ÖDP-Bundestagskandidat Klaus Seufzger

Bundestagskandidat Klaus Seufzger konnte dazu neben einer ansehnlichen Zahl an Besuchern mit Eva-Maria Heerde eine Referentin der kirchlichen Hilfsorganisation Misereor begrüßen. Geld in Hilfsprojekte zu geben sei wichtig aber auf Dauer keine Lösung, so Heerde bei der Vorstellung ihrer Organisation. „Wir müssen vielmehr strukturelle Veränderung herbeiführen, die Selbsthilfekräfte wecken“. Misereor mache beides: Mit ca. 3000 Projekten leiste man konkrete Hilfe. Als gleich wichtige Aufgabe betrachte man es aber auch, den „Mächtigen aus Politik und Wirtschaft aber auch jedem einzelnen in`s Gewissen zu reden“. Das tat sie dann auch beherzt: So dürfe die „Lebensstilfrage“ nicht verdrängt werden. Denn natürlich habe das individuelle Verhalten beispielsweise beim Bezug von Produkten Auswirkungen auf andere Teile der Welt. Derzeit sind weltweit mehr als 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Krieg und Gewalt sei Fluchtursache Nummer eins. Aber auch durch extreme Armut, gepaart mit Perspektivlosigkeit würden sich Menschen gezwungen sehen ihre Heimat zu verlassen, so ihre Analyse. Ursache zunehmend auch extreme Wetterphänomene und der Klimawandel. Entgegen vielfältiger Wahrnehmung komme davon nur ein kleiner Teil in Europa an. Die meisten sind sogenannte Binnenvertriebene, die im eigenen Land oder Nachbarländern auf der Flucht sind und meist unter menschenunwürdigen Bedingungen in Zeltstätten hausen würden. Ursächlich an der Misere vor allem in Afrika sei nicht zuletzt auch unsere industrielle Landwirtschaft. So existieren beispielsweise in Burkina Faso 17 Millionen Rinder. Trotzdem seien die dortigen Märkte mit europäischen Milchprodukten geflutet worden. Der Schaden liege auf beiden Seiten: Die Exportorientierung verderbe den Landwirten hier wie dort die Preise und führe –ebenfalls hier wie dort- zu Existenzvernichtungen. Im benachbarten Ghana hätten jahrelang subventionierte Billigimporte von Geflügelresten aus der EU die heimischen Geflügelbauern in den Ruin getrieben. Darüber hinaus führt die Fischereipolitik der EU zur Überfischung der Weltmeere, was den Menschen beispielsweise im Senegal die Existenzgrundlage raubt. Hunger sei vielfach auch die Folge einer völlig verfehlten Entwicklungspolitik. Anstatt angepasste kleinbäuerliche Strukturen in den Mittelpunkt zu rücken, setzen die Industriestaaten auf agroindustrielle Großstrukturen. Dies vielfach möglich gemacht durch „Landgrabbing“ internationaler Großkonzerne. Analog gelte dies auch für die Aufbauarbeit gewerblicher Strukturen. Da brauche man sich nicht wundern, wenn Menschen ihr Heil in Europa suchen. Man brauche auch eine Handelspolitik, die fairen Handel statt Freihandel ermögliche. Die Veröffentlichung der Panama Papers führte erneut das Ausmaß der weltweiten Steuervermeidung vor Augen. Das herrschende Finanzsystem ermögliche Eliten ihren Ländern durch Steuerflucht Geld zu entziehen. Außerdem müsse man endlich aufhören, deutsche Waffen in die Krisenherde der Welt zu liefern. Außenpolitik müsse vermehrt „wertebasiert“ auftreten. Wirtschaftsinteressen dürfen nicht einseitig zu Lasten von Menschenrechten gehen. In Zeiten nie dagewesenen Reichtums erleben wir gleichzeitig nie dagewesene Armut. „Dieses Ungleichgewicht spiegelt sich auch in den Fluchtbewegungen wider“. Nur wer an diesen Stellschrauben drehe, werde auf Dauer Menschen von einer Flucht bzw. Migration abhalten können, so das Resümee der Referentin